Kanton Appenzell Innerrhoden aktualisiert Karte für Naturgefahren
Der Kanton Appenzell Innerrhoden will seine 20 Jahre alte Gefahrenkarte aktualisieren. Damit sollen Naturgefahren wie Hochwasser oder Felsstürze besser abgebildet und die möglichen Auswirkungen aufgezeigt werden.

Quelle: Kanton Appenzell Innerrhoden
Die Sitter führte in Appenzell am 19. Augst 2022 so viel Wasser wie seit 1972 nicht mehr.
Mit der vor rund 20 Jahren erarbeiteten Gefahrenkarte sollen Naturgefahren wie Hochwasser, Felsstürze, Murgänge und Lawinen erkannt, dokumentiert und beurteilt werden können. Die Karte bilde die wichtigste Grundlage für die Planung und Beurteilung von Schutzmassnahmen, teilte das Landesbauamt am Mittwoch mit.
Der in den letzten Jahrzehnten entstandene Siedlungsdruck mit einer Ausdehnung der Bauzonen habe dazu geführt, dass neue Bauten mitunter nahe an Gewässer gebaut wurden, schreibt das Amt. Bei intensiven Starkniederschlägen könnten diese über die Ufer treten und massive Schäden verursachen.
Schwachstellen bei Brücken berechnen
Nun soll die Gefahrenkarte revidiert und an aktuelle Verhältnisse angepasst werden. Zuvor seien die vorhandenen Grundlagen aber auf Richtigkeit und Vollständigkeit zu prüfen, heisst es in der Mitteilung. In diesem Zusammenhang sei für das gesamte Kantonsgebiet eine neue Hydrologie erstellt worden.
Die Daten für diese Karte basieren auf der aktualisierten Niederschlagsstatistik des Bundes. Das Projekt wurde Ende 2024 abgeschlossen. Damit stehen laut dem Amt nun hydrologische Kenngrössen für ein Hochwasser zur Verfügung, das statistisch gesehen einmal alle 30, 100 und 300 Jahre sowie als Extremereignis stattfinden könnte.
Anhand dieser Daten lassen sich Schwachstellen wie zu kleine Abflusskapazitäten bei Durchlässen, Brücken oder im Bachgerinne berechnen. Im Weiteren wurden der «Ereigniskataster», in dem vergangene Naturereignisse festgehalten werden, aktualisiert, sowie Daten über das bestehende Gewässernetz überprüft und nachgeführt.

Quelle: zvg, Appenzell Innerrhoden
Blick auf den Schwemmholzrechen am Brüelbach bei einem Unwetter von 2022.
Risikoübersicht zu möglichen Schäden
Neben der neuen Hydrologie, dem nachgeführten Ereigniskataster sowie dem aktualisierten Gewässernetz werden bei der Bearbeitung der neuen Gefahrenkarte auch bereits umgesetzte Schutzmassnahmen wie beispielsweise der Hochwasserschutz im Weissbad berücksichtigt. Mitte März zeigte das Bau- und Umweltdepartement den Planungsbehörden an einer Informationsveranstaltung, wie die neue Gefahrenkarte entsteht.
Bei der Bearbeitung werde grossen Wert auf ein «integrales Risikomanagement» gelegt. Dabei werden Intensitäten und Häufigkeiten von Naturgefahren mit den zu erwartenden Schäden verglichen und bewertet. Die Risikoübersicht zeige mögliche Personenschäden und Sachschäden an Gebäuden und Infrastrukturen auf. Weiter soll ein Massnahmenkatalog aufzeigen, wo welche Massnahmen zur Reduktion des Risikos beitragen könnten.
Nach der fachlichen Bearbeitung der Gefahrenkarte werden die Planungsbehörden die Ergebnisse in die Schutz- und Nutzungsplanung überführen. Die jeweiligen Bezirke erlassen diese aktualisierte Schutz- und Nutzungsplanung und reichen sie anschliessend der Standeskommission zur Genehmigung ein. (mgt/pb)