07:57 BAUBRANCHE

WWF und Gemeinde Domat/ Ems fordern vor Gericht Deponie-Sanierung

Teaserbild-Quelle: Google.CNES / Airbus Kartendaten

Der WWF Graubünden und die Gemeinde Domat/Ems kämpfen vor dem Bündner Obergericht für die Sanierung einer Deponie auf dem Areal der Ems-Chemie. Sie sind überzeugt, dass von dort giftiges Trichlorethen ins Trinkwasser der Standortgemeinde gelangt.

Areal Ems Chemie Domat/Ems

Quelle: Google.CNES / Airbus Kartendaten

Die ehemalige Deponie «Rusna da furns» befindet sich auf dem Werksgelände der Ems-Chemie in Domat/Ems.

Konkret fechten die Umweltorganisation und die Gemeinde eine Verfügung des Kantons an, welcher die Deponie «Rusna da furns» erst mal vier Jahre lange überwachen lassen will, wie der WWF und die Gemeinde am Donnerstag unabhängig voneinander mitteilten. Organisation und Gemeinde haben je eine Beschwerde eingereicht.

Das Amt für Natur und Umwelt Graubünden sehe die seit den 1990er-Jahren stillgelegte Deponie des Chemiewerks zwar als mögliche Quelle der Trichlorethen-Belastung im Trinkwasser-Pumpwerk Bagliel, hiess es im Communiqué des WWF. Weil Untersuchungen dies nicht zweifelsfrei belegten, fordere das Amt aber keine Sanierung der Deponie, sondern vorerst lediglich eine vierjährige Überwachung.

«Der Kanton nimmt damit in Kauf, dass sehr bedeutende Schadstoffemissionen aus der Deponie ins Grundwasser gelangen können, wo sie grundsätzlich nicht mehr rückholbar sind», wird Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin des WWF Graubünden, in der Mitteilung zitiert. Sie warnt vor schwerwiegenden Auswirkungen für Mensch und Natur.

«Einzige plausible Verunreinigungsquelle»

Den Entscheid des Kantons Graubünden könne der WWF nicht nachvollziehen, schrieb die Umweltorganisation weiter. Die «Rusna da furns» sei die einzige plausible Verunreinigungsquelle des Trinkwassers. Wenn die Quelle identifiziert sei, müsse sie gemäss Bundesrecht saniert werden.

Zudem sei in Deponienähe auch eine Fluoridkonzentration über den erlaubten Grenzwerten gemessen worden. Auch hierbei sei sehr naheliegend, dass die «Rusna da furns» die Hauptquelle sei, da dort alle Arten von Industrieabfällen deponiert worden seien. «Das Amt für Natur und Umwelt muss auch aus diesem Grund eine Sanierung der belasteten Deponie verfügen», forderte der WWF.

Entscheid des Kantons «nicht nachvollziehbar»

Ähnlich äusserte sich die Gemeinde Domat/Ems. Der Entscheid des Kantons sei aus Sicht der Gemeinde nicht nachvollziehbar und trage den Gesundheitsrisiken im Trinkwasser zu wenig Rechnung. «Denn andere mögliche Quellen des Trichlorethen als die Deponie ‹Rusna da furns› sind nicht erkennbar», schrieb die Gemeinde.

Trichlorethen ist ein starkes, nicht abbaubares Lösungsmittel und gilt als gesundheitsschädigend und krebserregend. Es wurde etwa als Reinigungsmittel in der Druck- und in der Metallindustrie verwendet. «Die Grenzwerte für die Trinkwasserqualität werden zwar zuverlässig eingehalten, dennoch haben wir Belastungen im Wasser, die wir komplett eliminieren möchten», wird der Domat/Emser Gemeindepräsident Erich Kohler in der Mitteilung der Gemeinde zitiert. (pb/sda)

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